Aktuell

Wohnungsvergaben: Transparente und zeitgemässe Kriterien

Eine Arbeitsgruppe aus Aufsichtsrat und Geschäftsleitung analysiert zurzeit die Kriterien bei der Vergabe der EBG-Wohnungen. Dabei werden auch «heilige Kühe» kritisch hinterfragt. Die Mitglieder der EBG werden
später ebenfalls in den Prozess mit einbezogen.

 

Die EBG verfügt heute über ein Vermietungsreglement, das primär auf einem Punktesystem aufbaut und das sich in der Praxis bewährt hat. Die jeweiligen Ranglisten sind transparent und eindeutig. Dennoch macht es Sinn, das Regelwerk gelegentlich kritisch zu durchleuchten – und auch zu analysieren, ob die einzelnen Vergabekriterien noch sinnvoll und zeitgemäss sind. Der für den ersten Gedankenaustausch gebildeten Arbeitsgruppe gehören die Aufsichtsräte Deborah Stoll, Peter Henauer und Philipp Ineichen sowie Geschäftsleiter Andi Willinig an.

Bei der nun anstehenden Revision werden verschiedene Schwerpunkte unter die Lupe genommen: allgemeine Bestimmungen (Kategorisierung der Wohnungen, Bewohnerzahl je Wohnungskategorie usw.), Umgang mit Unterbelegung (Alternativen, künftiger Wohnungsmix usw.), Umgang mit neuen Wohnformen (Kinder von Alleinerziehenden, Wohnberechtigung nach Auszug des Partners usw.) sowie die Quartierdurchmischung.

Gerade das Thema «Unterbelegung» zeigt, dass eine ganzheitliche Betrachtung notwendig ist. Es ist letztendlich eine strategische Aufgabe der EBG, langfristig einen geeigneten Wohnungsmix anzubieten – dies erlaubt eine Steuerung und ermöglicht z.B. nach dem Auszug der Kinder einen Wechsel in eine adäquate kleinere Wohnung.

Damit auch die Mitglieder der EBG in den Prozess einbezogen werden können, plant der Aufsichtsrat nach dem Sommer 2017 einen Workshop zum Thema «Vergabekriterien». Die daraus resultierenden Erkenntnisse sollen sodann in die endgültige Version des künftigen Vermietungsreglements einfliessen. Der weitere Ablauf sieht vor, das Vermietungsreglement an der Mitgliederversammlung vom 23. November 2017 zu präsentieren. Falls neue Bestimmungen eine Änderung der Statuten erfordern, werden diese der ordentlichen GV der EBG vom Frühjahr 2018 zur Genehmigung vorgelegt.

Die Arbeitsgruppe scheut sich nicht, auch «heilige Kühe» zu hinterfragen. Dazu zählen beispielsweise die Elternpunkte, welche die Nachkommen von langjährigen Mitgliedern stark bevorteilen. Auch die Auseinandersetzung mit der Thematik von unterbelegten Wohnungen dürfte zu kontroversen Diskussionen führen. Die Arbeitsgruppe freut sich auf spannende Diskussionen rund um die Frage, wer künftig unter welchen Bedingungen in der EBG eine Wohnung zugesprochen erhält und wie insbesondere bei der Thematik «unterbesetzte Wohnungen» Lösungsansätze gefunden werden.

 

Die Politik mischt kräftig mit

Die Vergabekriterien der einzelnen Genossenschaften werden auch von der politischen Bühne aus kritisch beobachtet. Damit die gemeinnützigen Wohnbauträger bei der Landvergabe bzw. bei den Bau-rechten überhaupt mitbieten können, müssen sie sich zum Beispiel in der Stadt Luzern verpflichten, die Vergabekriterien offenzulegen. In dieser Frage zählt die EBG zu den Vorzeigegenossenschaften mit einem transparenten und öffentlich einsehbaren Vermietungsreglement.

Von den politischen Playern wird auch erwartet, dass in den als gemeinnützig deklarierten Wohnungen auch tatsächlich die «richtigen Mieter» leben. Gefordert wird zum Beispiel bei der Vermietung eine zur Wohnungsgrösse adäquate Personenzahl, was in der EBG schon seit vielen Jahren praktiziert wird. Forderungen nach Einkommens-beschränkungen für Mieter werden jedoch von den meisten Genossenschaften als wenig sinnvoll, administrativ zu aufwändig und im Sinne einer guten Quartierdurchmischung als kontraproduktiv erachtet. Heikel sind auch behördliche Vorgaben, die dazu verpflichten, Mietern bei Unterbelegung zu kündigen. In den ganzen Diskussionen wird oft vergessen, dass Genossenschaften selbstständige Unternehmen sind, die auf eigenes Risiko investieren. Um gesund zu bleiben, müssen auch gemeinnützige Anbieter die notwendigen Einnahmen erzielen können, was mit zu hohen politischen Hürden zu einem gefährlichen Spiel wird...

28.04.2017

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